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Tagesgeld vs. Aktienfonds für die GmbH — konkret gerechnet

Dieselben 500.000 €. Zwei völlig verschiedene Ergebnisse. Die Rechnung, die viele Geschäftsführer noch nie gesehen haben — ehrlich erklärt, inklusive der Punkte, die dagegen sprechen.

Von Lars Wallenhorst · 13. Juli 2026 · Lesezeit ca. 5 Minuten

Auf deutschen Geschäftskonten liegt sehr viel Geld einfach nur herum. Nicht, weil die Unternehmer dahinter schlecht rechnen könnten — im Gegenteil. Sondern weil sich Liquidität auf dem Firmenkonto sicher anfühlt. Und weil kaum jemand ihnen je vorgerechnet hat, was dieses Gefühl pro Jahr kostet.

Genau das machen wir jetzt. Mit echten Zahlen, ohne Schönrechnerei — und mit den Einschränkungen, die ein seriöser Vergleich braucht.

Das Problem: Jeder Euro Zinsertrag wird voll versteuert

Angenommen, deine GmbH hat 500.000 € Liquidität, die dauerhaft nicht im Tagesgeschäft gebraucht wird — den sogenannten Bodensatz. Auf dem Geschäftskonto zahlen viele Banken dafür kaum noch nennenswerte Zinsen. Tagesgeld ist marginal besser, sagen wir 1,5 % pro Jahr.

Das ergibt 7.500 € Zinsertrag. Klingt in Ordnung? Jetzt kommt das Finanzamt: Bei einer Kapitalgesellschaft wird jeder Euro Zinsertrag voll versteuert — Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag, Gewerbesteuer, zusammen rund 30 %. Von den 7.500 € bleiben etwa 5.250 € netto.

Ein Prozent nach Steuern. Bei zwei Prozent Inflation verliert dieses Geld real an Wert — jedes Jahr, zuverlässig, garantiert.

Der gesetzliche Ausweg: Teilfreistellung nach § 20 InvStG

Was viele Geschäftsführer nicht wissen: Für Kapitalgesellschaften gibt es gesetzlich geregelte Anlagewege, bei denen Erträge steuerlich deutlich günstiger behandelt werden. Das Stichwort heißt Teilfreistellung und steht im Investmentsteuergesetz (§ 20 InvStG).

Konkret: Erträge aus Aktienfonds (mindestens 51 % Aktienquote) sind für Kapitalgesellschaften zu 80 % körperschaftsteuerfrei und zu 40 % gewerbesteuerfrei. Das ist kein Trick und kein Schlupfloch — es ist geltendes Gesetz, das jeder nutzen darf. Die meisten Mittelständler tun es trotzdem nicht.

Die Rechnung: Dasselbe Kapital, zwei Welten

500.000 € Bodensatzliquidität — ein Jahr, zwei Wege
Beispielrechnung für eine Kapitalgesellschaft (GmbH)
Tagesgeld (1,5 %) Aktienfonds (beispielhaft 6 %)
Ertrag brutto 7.500 € 30.000 €
Steuerliche Behandlung voll steuerpflichtig (~30 %) Teilfreistellung § 20 InvStG
Ertrag netto ca. 5.250 € ca. 26.550 €
Vereinfachte Beispielrechnung. Die tatsächliche Steuerlast hängt von Körperschaftsteuersatz und Gewerbesteuer-Hebesatz der Gemeinde ab. Die 6 % sind eine beispielhafte Annahme, keine Prognose.

Über 21.000 € Unterschied. Pro Jahr. Aus demselben Kapital. Über zehn Jahre — mit Zinseszins — reden wir über eine Summe, mit der man einen zusätzlichen Mitarbeiter bezahlen, eine Maschine anschaffen oder schlicht das Unternehmen wertvoller machen könnte.

Was diese Rechnung nicht sagt — und das ist wichtig

Wer dir diesen Vergleich zeigt, ohne über Risiken zu sprechen, will dir etwas verkaufen. Also, in aller Klarheit:

Die 6 % sind nicht garantiert. Ein Aktienfonds schwankt. Es gibt Jahre mit deutlich mehr — und Jahre mit Verlusten. Die 1,5 % Tagesgeld sind sicher, die 6 % sind eine langfristige, beispielhafte Annahme. Wer das Geld nächstes Jahr für eine Halle braucht, hat in einem Aktienfonds nichts verloren.

Deshalb gehört auch nicht der ganze Kassenbestand investiert. Das wäre unseriös. Es geht ausschließlich um den Teil, der nachweislich über Jahre nicht angefasst wird — und der liegt bei den meisten Unternehmen deutlich höher, als das Bauchgefühl vermutet.

Die eigentliche Frage: Wie groß ist dein Bodensatz?

In der Praxis teile ich Firmenliquidität in drei Schichten:

1. Operative Liquidität — Material, Personal, Vorfinanzierung. Bleibt auf dem Konto, täglich verfügbar.
2. Reserve — für Unvorhergesehenes und geplante Investitionen. Bleibt kurzfristig verfügbar.
3. Bodensatz — der Teil, der seit Jahren nur mitläuft. Genau der sollte arbeiten.

Wie man diese Schichten sauber ermittelt, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben: Wie viel Liquidität braucht mein Betrieb wirklich? Die Kurzfassung: Schau dir den niedrigsten Kontostand der letzten drei Jahre an. Was selbst dann noch übrig war, ist ein guter erster Anhaltspunkt.

Fazit

Liquidität auf dem Firmenkonto fühlt sich sicher an. Betriebswirtschaftlich ist sie oft träge, und steuerlich selten clever. Der Gesetzgeber behandelt Fondserträge für Kapitalgesellschaften bewusst günstiger — wer das ignoriert, verschenkt Jahr für Jahr reales Geld.

Ob und wie viel das für dein Unternehmen bedeutet, lässt sich in 30 Minuten seriös durchrechnen. Mit deinen Zahlen, nicht mit meinen Beispielwerten.

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