Jeden Monat kommt Geld auf dem Konto deiner GmbH an. Pünktlich, gleich hoch, ohne dass du etwas dafür tun musst.
Das fühlt sich nach Ertrag an.
Es kann Ertrag sein. Es kann aber auch dein eigenes Geld sein, das zu dir zurückkommt.
Eine Ausschüttung beschreibt zunächst nur einen Zahlungsstrom. Sie sagt nichts darüber, was der Fonds im selben Zeitraum wirtschaftlich verdient hat und aus welcher Quelle das Geld stammt. In meinen Gesprächen ist genau das die unangenehme Stelle. Nicht weil jemand etwas falsch gemacht hätte, sondern weil eine monatliche Zahl auf dem Konto so überzeugend aussieht, dass niemand sie hinterfragt.
Was bei einer Ausschüttung tatsächlich passiert
Der ausgeschüttete Betrag wird dem Fondsvermögen entnommen und an deine GmbH überwiesen. Ohne andere Wertveränderungen sinkt der Anteilwert am Ausschüttungstag rechnerisch um genau diesen Betrag. Das Geld wechselt also die Seite, es entsteht nicht.
Finanziert werden kann die Zahlung aus Zinsen, Dividenden oder realisierten Kursgewinnen. Reichen diese Erträge nicht aus, kann je nach Ausgestaltung auch vorhandene Substanz zurückfließen. AllianzGI weist auf diese Möglichkeit ausdrücklich hin.
Eine Substanzausschüttung ist nicht automatisch ein Fehler. Sie kann Teil einer bewusst gewählten Auszahlungslogik sein, und dann ist sie völlig in Ordnung. Sie ist nur etwas anderes als laufend erwirtschafteter Ertrag.
Die Zahl auf deinem Kontoauszug ist deshalb keine Renditekennzahl. Sie ist eine Überweisung.
Ein Rechenbild mit einer Million Euro
Nehmen wir eine vereinfachte Anlage mit einem Startwert von 1.000.000 Euro.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Startwert | 1.000.000 € |
| Auszahlungen im Jahr | 60.000 € |
| Wert am Jahresende | 960.000 € |
| Wirtschaftliches Ergebnis | 20.000 € |
Auf dem Konto sind 60.000 Euro angekommen. Wirtschaftlich verdient hat der Fonds 20.000 Euro: 960.000 Euro Restwert plus 60.000 Euro Auszahlung minus 1.000.000 Euro Startwert.
Die anderen 40.000 Euro waren schon vorher deine.
Das kann genau so geplant sein. Es ist nur keine Rendite von 60.000 Euro. Wer die Auszahlung für das Jahresergebnis hält, rechnet sich sein Jahr schön.
Wenn der Zahlungsstrom eine betriebliche Aufgabe hat
Es gibt gute Gründe für regelmäßige Auszahlungen, und in meiner Praxis sind sie meistens sehr konkret.
Eine schlank geführte Gesellschaft kann regelmäßige Zahlungen nutzen, um wiederkehrende Ausgaben wie eine betriebliche Krankenversicherung mitzufinanzieren. Eine Auszahlung kann auch dazu dienen, zuvor investierte Liquidität langsam und geplant in den Betrieb zurückzuführen. Wichtig ist die Kehrseite: Fällt die Zahlung niedriger aus, muss deine GmbH die Ausgabe trotzdem tragen können.
Bei saisonal geprägten Unternehmen mit wenigen großen Einnahmeterminen haben die Monate dazwischen ohnehin eine andere Liquiditätslogik als bei einem Betrieb mit gleichmäßigen Eingängen. Ein regelmäßiger Rückfluss erfüllt dort eine echte operative Aufgabe.
Er ist trotzdem kein privates Zusatzeinkommen und kein Beweis für eine gelungene Anlage.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie hoch die monatliche Auszahlung sein soll. Sie lautet: Welche Zahlung braucht dein Betrieb, wann, und wofür? Vielleicht passt monatlich. Vielleicht quartalsweise. Vielleicht braucht deine GmbH überhaupt keine laufende Auszahlung, und dann ist eine feste Ausschüttung kein Vorteil, sondern ein Geldstrom ohne Aufgabe.
Was ich vorher wissen will
Zuerst den Zweck und den Termin. Eine monatliche Zahlung und ein quartalsweiser Bedarf sind nicht dasselbe, auch wenn die Jahressumme stimmt.
Dann die Herkunft. Darf zeitweise Substanz zurückfließen, oder soll ausschließlich laufender Ertrag verwendet werden? Eine geplante Rückführung kann passen. Ein unbemerkter Kapitalverzehr sollte es nicht sein.
Und schließlich die Verlässlichkeit. Ausschüttungen können angepasst werden, garantiert sind sie nicht. Wenn dein Betrieb fest mit dem Betrag plant, braucht er zusätzlich eine Reserve. Der Zahlungsrhythmus soll dem Unternehmen dienen, nicht umgekehrt.
Die Anlage selbst bleibt davon eine getrennte Entscheidung. Anteilwert und Ausschüttung können sich verändern, Verluste sind möglich. Eine regelmäßige Zahlung macht eine Anlage nicht sicher, und sie ersetzt kein Risikogespräch.
Fazit
Eine Ausschüttung ist Geld auf dem Konto. Rendite ist das wirtschaftliche Gesamtergebnis aus Wertentwicklung und Zahlungen. Beides kann zusammenfallen. Beides kann weit auseinanderliegen.
Regelmäßige Auszahlungen sind dann sinnvoll, wenn sie eine konkrete betriebliche Aufgabe erfüllen. Ohne diese Aufgabe kaufst du dir einen Zahlungsrhythmus und hältst ihn für eine Anlagestrategie.
Im Erstgespräch sortieren wir deshalb zuerst deine Zahlungsströme. Erst danach reden wir über die Anlage, die dazu passen könnte.
Welche Aufgabe soll der Zahlungsstrom erfüllen?
30 Minuten, kostenfrei, ohne Verkaufsdruck. Wir sortieren zuerst Zweck und Termin und sprechen erst danach über eine mögliche Anlage.